Titelbeschreibung: E-Book

"Kurz und bündig" (1): Hamilton / Seethaler / Magnusson

Hugo Hamilton

Palmen in Dublin

Luchterhand

„Ich hatte das Gefühl, als hätte die Welt während all der Jahre nach dem Krieg in einem Eisschrank gelegen und wäre jetzt zum Auftauen in die Sonne gebracht worden.“ (S. 282)
Hamilton auf autobiografisch gefärbter Suche nach Heimat in Dublin. Der Ich-Erzähler mäandernd zwischen den Sprachen: Deutsch/Englisch/Gälisch. Permanente Geldnot, unbezahlte Rechnungen, Kämpfe mit den Gläubigern, die dritte Schwangerschaft Helens, die Arbeit als Ton- und Aufnahmemeister für traditionelle irische Musik und Geistersprache (Gälisch), nicht enden wollender Regen, Armut, manchmal auch sekundenlanges Glück – Dublin-Songlines! Still und eindringlich. Für Fans!

ISBN 978-3-630-87301-5 (dt. Übers.: Henning Ahrens)


Robert Seethaler

Der letzte Satz

Hanser Berlin

Ein neuer Seethaler: Gewohnt schmal. Üppig bemessener Durchschuss. Wenig Text fürs Geld. Zum ‚Roman‘ möglicherweise aufgebläht. Na, wenigstens kein hochvolumiges Papier.
Worum geht es? Gustav Mahler. Krank. Während einer Schiffspassage über den Atlantik. Heimfahrt in den Tod. Vom Fieber gequält steht der Komponist an der Reling des Dampfers. Den unergründlichen Ozean im Blick. Lebensanekdoten erinnernd: Den Tod der erstgeborenen Tochter Maria, Almas Affäre mit dem ‚deutschen Baumeister‘, ein Gespräch mit Sigmund Freund im holländischen Leiden, die Erfolge als gefeiertes Musikgenie … Seethaler komponiert das Mosaik einer Todesphantasie. „Es gibt keine Hilfe, dachte er. Und es gibt keinen Trost, man ist alleine in dieser Welt.“ (S. 101) Ist das noch Kunst oder schon Kitsch? Seethalers Umgang mit der Sprache, sein Handwerk also, ist bemerkenswert. Das beherrscht er. Sagen wir doch einfach: ‚Der letzte Satz‘ ist keine Kunst, aber gelungenes Kunsthandwerk.

ISBN 978-3-446-26788-6


Kristof Magnusson

Ein Mann der Kunst

Kunstmann

Das fängt ganz unterhaltsam an. Das bleibt aber nicht so. Was vielleicht als Satire auf den bundesrepublikanischen Kunst- und Kulturbetrieb gedacht war, entpuppt sich auf Dauer als zu lang geratene Variation des Immergleichen. „Der Mann der Kunst“, das ist KD Pratz. Großkünstler, Misanthrop, Einsiedler im renovierten Burggemäuer. Unten fließt der Rhein Richtung Norden, Besuchern wird auch nach Voranmeldung kein Zugang zur Burg gewährt. - Na, einmal doch, denn der Förderverein des Museums Wendevogel (Achtung: Wortwitz) will KD Pratz ein verlockendes Angebot unterbreiten: Museumsneubau auf geerbtem Grundstück neben dem Haupthaus, einzig und allein dem Großkünstler Pratz vorbehalten. Das wird er doch wohl nicht ablehnen können?! Alles scheint in trockenen Tüchern zu sein. Die Gesamtfinanzierung von Bund und Land ist gesichert. Nur die Anschubfinanzierung durch den Förderverein muss noch beschlossen werden. Und pro forma müssen die Mitglieder des Fördervereins auch noch darüber abstimmen, dass der Neubau tatsächlich ausschließlich den Werken von KD Pratz vorbehalten sein soll. Für den Vorsitzenden, Herrn Dr. Neuhuber, ist die Sache mehr oder weniger schon beschlossen und die ganze Angelegenheit somit erledigt. Aber da sind ja noch die Psychologin Ingeborg, das pensionierte Lehrerehepaar Hansen und der millionenschwere Herbert von Drübber (Achtung: Wortwitz), genannt ‚das Einstecktuch‘. - Ob beim Besuch auf der Burg des Großkünstlers wirklich alles so glatt verlaufen wird, wie Dr. Neuhuber glaubt? - Dass Magnusson sein Handwerk beherrscht, wissen wir seit seinem ‚Arztroman‘ und ‚Das war ich nicht‘. Diesmal ist er dem Stoff nicht ganz gewachsen. Schade.

ISBN 978-3-95614-382-3


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"Kurz und bündig" (1): Hamilton / Seethaler / Magnusson. 2021, 978-3-95614-382-3 [ISBN]


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