Titelbeschreibung: E-Book

37 Carlotto: Die Frau am Dienstag

Massimo Carlotto

Die Frau am Dienstag

(übers. von Ingrid Ickler)

Folio Verlag

Er ist in die Jahre gekommen. Seit seinem Schlaganfall ist er nicht mehr der Alte, Bonamente Fanzago, Künstlername Zagor. Pornodarsteller. Die Medikamente, die er nehmen muss, um mit den jungen Hengsten mithalten zu können, erhöhen die Gefahr eines neuerlichen Anfalls. Es wird wohl Zeit, sich aus dem Geschäft zurück zu ziehen. Ein bisschen Gigolo sein nebenher, das möchte er noch. Er hat eine einzige Kundin: die Frau am Dienstag. Immer von drei Uhr bis vier. Im Zimmer mit der Nummer Drei der Pension Lisbona von Alfredo Guastini. „Die Frau, von der er weder Name noch Telefonnummer wusste, hatte ihn verhext. So sehr, dass er … unter der Angst litt, sie zu verlieren. Und diese Angst war konkreter geworden, seit er ein behinderter Gigolo geworden war, der aufgrund eines Schlaganfalls keine chemischen Hilfsmittel für seine Potenz mehr nutzen durfte.“ (S. 24 f.)

Bonamente ist der einzige Gast in der Pension. Hin und wieder kommt die Signora Erminia zum Kochen oder Aufräumen der Zimmer. Besonders dann, wenn Alfredo, der Transvestit, den Professor empfängt. Seinen alten Freund. Ein echtes Liebespaar, die beiden. Doch diese Liebe muss enden, denn die Kinder des Professors beginnen zu ahnen, dass mit dem Vater etwas nicht stimmt. Ehe die Wahrheit ans Licht kommt: Ende, Schluss des schönen Abenteuers. Ein Abschied für immer.

Alfredo trauert. Wie soll es mit der Pension weitergehen? Ob Bonamente vielleicht sein Nachfolger werden kann? Er muss unbedingt herausfinden, wer die Frau am Dienstag ist, damit sein einziger Pensionsgast endlich weiß, in wen er sich unsterblich verliebt hat. Nur so, glaubt er, kann die Zukunft der Pension gesichert werden. Das ist er sich und seinem einzigen Gast schuldig. Schnell bringt er in Erfahrung, dass die Frau am Dienstag in der Wohnung des Anwalts Fontana wohnt. Ist sie etwa dessen Geliebte? Diese Alfonsina Malacrida, genannt Nanà?

Kurz nach der Kontaktaufnahme Alfredos zu Fontana kommt der Anwalt zu Tode. Denn nachdem Fontana Alfredo übel beschimpft hatte, wird er kurzerhand vom wütenden Pensionsbesitzer angefahren und dabei tödlich verletzt. Der Verursacher des Unfalls begeht Fahrerflucht. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf.

Michele Pagano, der ermittelnde Kommissar, glaubt allerdings, dass Nanà, eine ihm bekannte und einschlägig vorbestrafte Prostituierte, den Anwalt ermordet hat. Doch mit dieser Vermutung liegt er völlig falsch, da ist sich der ehemalige Journalist Pietro Maria Belli, ein skrupelloser und intriganter Menschenfeind, absolut sicher. Dem jedoch nützt dieses Wissen rein gar nichts. Denn er stirbt während seiner Recherchearbeit, die ihn in die Pension Lisbona geführt hat. Der Tee, den Alfredo ihm serviert, hat es in sich. Gift. Pech für Belli. Ende der Recherche.

Das ist also so einiges los in der Pension und im Leben der drei Protagonisten. Liebe, Leidenschaft, Mord! Der Hinweis auf dem Schutzumschlag trifft ins Schwarze: „Eine bitterzarte Geschichte dreier Menschen am Rande des Gesellschaft.“ (U 4)
Eigentlich möchte ich keinen Roman lesen, dessen Personal in der Hauptsache aus einem Pornodarsteller, einer Prostituierten und einem alternden Transvestiten besteht. Eigentlich!

Aber wenn Massimo Carlotto die Geschichte dieser drei Menschen erzählt, dann kann ich gar nichts anderes tun, als den Roman immer weiter lesen. „Die Frau am Dienstag“ - dieses beinahe hymnische Hohelied auf die Humanität. Von einem der großen Autoren der italienischen Gegenwartsliteratur. Glänzend übersetzt zudem von Ingrid Ickler.  

 

ISBN 978-3-85256-815-7

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© Peter Cremer / Oktober 2020

37 Carlotto: Die Frau am Dienstag. 2021, 978-3-85256-815-7 [ISBN]


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